Schwangerschaftsabbruch

 

Ich erwäge einen Schwangerschaftsabbruch

Wenn Sie einen Schwangerschaftsabbruch erwägen und die gesetzlich vorgeschriebene Beratungsbescheinigung benötigen, vereinbaren Sie bitte einen Termin in einer  AWO Beratungsstelle.

Beratungsstellen finden

Sie können sich auf Wunsch anonym beraten zu lassen!

 

Was erwartet mich beim Beratungsgespräch?

Das Beratungsgespräch ist eine gesetzlich vorgeschriebene Pflichtberatung, wenn Sie einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen wollen. Nach dem Gesetz müssen 3 Tage zwischen dem Beratungsgespräch und dem Eingriff liegen. Die 12. Schwangerschaftswoche nach Empfängnis darf dann nicht überschritten sein.

Nach den gesetzlichen Bestimmungen ist das Gespräch ergebnisoffen zu führen und geht von Ihrer Verantwortung aus. Ihre Gesprächs,-und Mitwirkungsbereitschaft darf nicht erzwungen werden. Die Beratung soll ermutigen und Verständnis wecken, nicht belehren oder bevormunden. Die Schwangerschaftskonfliktberatung dient dem Schutz des ungeborenen Lebens.

Die Beraterin oder der Berater wird Ihnen rücksichtsvoll und verständnisvoll begegnen und Sie unterstützen, wo Hilfe geboten ist. Nach einem offenen Gespräch treffen Sie letztendlich die Entscheidung für oder gegen die Fortsetzung der Schwangerschaft. In der Beratung wird zum Beispiel erwartet, dass Sie Gründe für den eventuell gewünschten Schwangerschaftsabbruch nennen, gleichzeitig wird aber auch respektiert, wenn Sie auf bestimmte Fragen nicht antworten möchten. Wenn Gründe genannt werden, können die Berater/-innen gezielte Hilfsmöglichkeiten vorstellen.

Beratungsstellen die Schwangerschaftskonfliktberatungen anbieten werden nur anerkannt, wenn die Beraterinnen und Berater speziell für diese Beratung geschult werden.

Über das Beratungsgespräch erhalten Sie am Ende eine Bescheinigung, die für die Ärztin oder den Arzt bestimmt ist, die/der den Schwangerschaftsabbruch vornimmt.

 

Wann ist ein Schwangerschaftsabbruch erlaubt?

Ein Schwangerschaftsabbruch ist bei folgenden, durch eine Ärztin oder einen Arzt bestätigten Indikationen nicht strafbar:

1. Abbruch ohne Indikation/ nach Beratung

Ein Schwangerschaftsabbruch ist bis zum Ende der 12. Woche nach der Empfängnis zulässig, wenn

  • Sie sich der gesetzlich vorgeschriebenen Beratung unterzogen haben und
  • der Abbruch von einer Ärztin oder einem Arzt
  • frühestens am 4.Tag nach dem Tag vorgenommen wird, an dem die Beratung abgeschlossen wurde.
  • Sie benötigen eine Bescheinigung über das Beratungsgespräch.

Die Kosten für den Eingriff werden von der Krankenkasse getragen, wenn das Einkommen der Frau eine bestimmte Grenze nicht überschreitet.

2. Medizinische Indikation (§ 218a Abs. 2 Strafgesetzbuch (StGB))

Eine medizinische Indikation liegt vor, wenn die Fortsetzung der Schwangerschaft das Leben oder die Gesundheit der Frau (seelisch oder körperlich oder bei schwerer psychischer Notlage) bedroht.

Bei einer medizinischen Indikation besteht weder eine Beratungspflicht für die Frau noch eine zeitliche Frist, bis wann der Schwangerschaftsabbruch durchgeführt sein muss. Die Ärztin oder der Arzt muss die Frau auf die Möglichkeit der Beratung hinweisen und auf Wunsch an eine Beratungsstelle vermitteln.

Die Feststellung der Indikation setzt die ärztliche Erkenntnis voraus, dass unter Berücksichtigung der gegenwärtigen oder zukünftigen Lebensverhältnisse eine Lebensgefahr oder eine schwerwiegende Gefahr für die körperliche oder seelische Gesundheit der Mutter besteht.

Die Kosten für den Eingriff werden von der Krankenkasse getragen.

3. Kriminologische Indikation (§ 218a Abs. 3 (StGB))

Eine kriminologische Indikation liegt vor, wenn die Schwangerschaft durch Vergewaltigung oder ein anderes Sexualdelikt (nach §§ 176 bis 179 StGB: z.B. sexueller Missbrauch von Kindern oder widerstandsunfähiger Mädchen oder Frauen und bei sexueller Nötigung) verursacht wurde. Auch für diese Indikation müssen die Voraussetzungen nach ärztlicher Erkenntnis vorliegen.

Bei einer kriminologischen Indikation besteht keine Beratungspflicht. Der Schwangerschaftsabbruch darf jedoch nur bis zum Ende der 12. Woche nach Empfängnis durchgeführt werden.

Die Kosten für den Eingriff werden von der Krankenkasse getragen.

 

Informationen zum Schwangerschaftsabbruch

Die AWO hat einen Informationsflyer zum Schwangerschaftsabbruch entwickelt. Der Flyer informiert über:

  • Welche Unterlagen müssen Sie zur Ärztin/zum Arzt bei einem Schwangerschaftsabbruch mitbringen?
  • Wie wird ein Schwangerschaftsabbruch finanziert
  • Der operative Abbruch
  • Der medikamentöse Abbruch
  • Worauf muss ich nach dem Schwangerschaftsabbruch achten?
  • Wann sollten Sie Ihre behandelnde Ärztin bzw. Ihren Arzt aufsuchen oder benachrichtigen
  • Nachuntersuchung
  • Verhütung nach dem Schwangerschaftsabbruch

Diese Informationen liegen auch als PDF-Datei in deutsch, arabisch, englisch, französisch, polnisch, spanisch und türkisch vor.

 

Methoden

In den Beratungsstellen der Arbeiterwohlfahrt kommt der umfassenden medizinischen Beratung ein hoher Stellenwert zu. Die soziale, körperliche und psychische Belastung, die ein Schwangerschaftsabbruch für die Frau in ihrer individuellen Lebenssituation bringen kann, findet dabei Berücksichtigung. Die Ratsuchende muss sich in Kenntnis der medizinischen Risiken, die auch bei Fortsetzung einer Schwangerschaft, bei Geburt und Wochenbett möglich sind, eigenverantwortlich entscheiden können. Auch eine Beratung nach dem Abbruch ist, wenn gewünscht, möglich.

Sie können zwischen zwei Methoden des Schwangerschaftsabbruches wählen. Lassen Sie sich bei ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt bzw. in der Beratungsstelle über die verschiedenen Möglichkeiten eines Schwangerschaftsabbruches aufklären und wählen Sie eine Methode aus, die Ihren Wünschen am ehesten entspricht. Lassen Sie sich beim Arzt oder in der Beratungsstelle über die verschiedenen Möglichkeiten eines Schwangerschaftsabbruches Es gibt einmal den sog. instrumentellen Eingriff und den medikamentösen Abbruch mit Mifegyne.

Jede Frau sollte in Ruhe entscheiden, welche Methode des Eingriffs ihr am nächsten ist.

 

Der instrumentelle Eingriff

Im Allgemeinen wird die Ärztin oder der Arzt entweder am Tag des Abbruchs oder vorher eine gynäkologische Untersuchung machen. In der Regel können Sie wählen, ob der Abbruch mit örtlicher Betäubung oder mit einer Vollnarkose vorgenommen werden soll.

Bei der örtlichen Betäubung bekommen Sie meist ein Schmerz- und Beruhigungsmittel. Danach wird ein Betäubungsmittel an den Muttermund gespritzt. Dies ist meistens gar nicht oder wenig schmerzhaft.

Der Gebärmutterhalskanal wird mit Metallstäbchen erweitert. Mit einem schmalen Plastikröhrchen wird das Schwangerschaftsgewebe aus der Gebärmutter abgesaugt. Der Eingriff dauert 5 - 10 Minuten. Er kann ziehende Schmerzen verursachen, die dem Beginn einer heftigen Regelblutung entsprechen.

Bei der Vollnarkose erleben Sie den Eingriff nicht bewusst mit. Etwa zwei Stunden nach der Narkose sind die unmittelbaren Folgen (Schläfrigkeit, Kreislaufstörungen) weitgehend abgeklungen. Nach dem Abbruch unter Vollnarkose können die Blutungen etwas stärker sein und länger anhalten, ansonsten ist der Verlauf vergleichbar.

Nach dem Eingriff müssen Sie sich in der Praxis oder Klinik einige Zeit ausruhen. Das kann zwischen einer und mehreren Stunden sein. Sie werden selbst merken, wann es Ihnen wieder so gut geht, dass Sie aufstehen können. Nach einem abschließenden Gespräch mit dem der Ärztin bzw. dem Arzt, die/der Ihnen evtl. auch Medikamente verschreibt), können Sie sich wieder nach Hause fahren lassen.

Das Komplikationsrisiko bei einem legalen, unter optimalen medizinischen Bedingungen durchgeführten Abbruch in der sechsten bis zehnten Schwangerschaftswoche liegt bei der Absaugmethode zwischen 3 und 7 Prozent. Komplikationen können sein: Blutungen, Entzündungen und kleine Einrisse am Muttermund. Der Anteil schwerer Komplikationen mit Gebärmutterverletzungen liegt bei 0,1 bis 0,2 Prozent. Dabei spielt die Erfahrung der Operierenden eine wichtige Rolle.

Die aufgezeigten Risiken steigen vor der sechsten und nach der zehnten Schwangerschaftswoche. Spätkomplikationen werden in der wissenschaftlichen Literatur äußerst widersprüchlich beschrieben.

Depressionen und Komplikationen bei späteren Schwangerschaften oder Unfruchtbarkeit werden von einigen Untersuchungen mehr, von anderen dagegen weniger als bei Frauen ohne Schwangerschaftsabbruch ausgewiesen.

 

Schwangerschaftsabbruch durch das Medikament Mifegyne:

Mifegyne: Wirkstoff: Mifepriston (Tabletten)

Anwendung: Schwangerschaftsunterbrechung in der Frühphase der Schwangerschaft, d.h. bis zum 63 Tag der Gravidität (Schwangerschaft) - berechnet vom ersten Tag der letzten Regelblutung.

Wirkungsweise: Ein befruchtetes Ei kann sich in der Gebärmutter nicht einnisten, ein eingenistetes Ei stirbt ab, dies innerhalb von 48 Stunden.

Folgen: Die Weiterentwicklung der Schwangerschaft wird verhindert und die Gebärmutter wird auf die Ausstoßung, die unter Mitwirkung der nachfolgenden Prostaglandingabe erfolgen wird, vorbereitet. Von jetzt an ist der Abbruch begonnen. In seltenen Fällen kommt es schon nach Einnahme von Mifepriston zu einem Abort. In der Regel aber muss zwei Tage nach der Einnahme von Mifegyne das prostaglandinhaltige Präparat eingenommen werden.

4 - 6 Stunden später erfolgt meistens ein Abort, die Gebärmutter stößt die Schleimhaut und die abgestorbene Eizelle ab. Es ist nach 8-10 Tagen unbedingt eine Kontrolle inklusive gynäkologischer Untersuchung nötig, denn erst dann kann sicher festgestellt werden, ob die Schwangerschaft komplett beendet wurde. Bei nicht vollständiger Ausstoßung muss eine Ausschabung der Gebärmutter erfolgen.

Mögliche körperliche Nebenwirkungen:

  • Übelkeit, Erbrechen, krampfartige Unterbauchschmerzen, Kreislaufbelastungen.

Nicht anwendbar bei:

  • bei Asthma bronchiale oder einer Allergie gegen Mifepriston sowie bei vorliegender Epilepsie, Hypertonie, ernsten Magen,- Darm,- Leberstörungen oder Nierenstörungen.

Abgabe/Kosten:

Mifegyne wird nur direkt an Ärztinnen und Ärzte abgegeben.

Die Kosten entsprechen in etwa denen des operativen Eingriffs. Vor dem Abbruch sollten die entstehenden Kosten in der Arztpraxis nachgefragt werden. Frauen, die eine Kostenübernahmebescheinigung für den Eingriff durch die Krankenkasse haben, sind von Zuzahlungen befreit.

Wo wird diese Methode angewandt?

Die Beratungsstellen und Gynäkolog/innen vor Ort nennen Ihnen Ärzte und Kliniken, die auch mit dieser Methode Schwangerschaftsabbrüche durchführen.

Die Vorteile dieser Methode:

  • Es ist keine Narkose nötig
  • Der Gebärmuttermund muss nicht - wie bei der Absaugung oder Ausschabung - mechanisch geweitet werden.
  • Die Frau ist am Vorgang des Schwangerschaftsabbruchs aktiver beteiligt.
  • Der Eingriff ist sehr früh möglich.

Die Nachteile:

  • Übelkeit, Erbrechen, eventuell Durchfall.
  • Wenn sich die Gebärmutterschleimhaut mit der eingenisteten Eizelle nicht komplett löst, ist eine chirurgische Beendigung des Abbruchs notwendig.
  • Es kann zu leichten bis mäßigen wehenartigen Bauchkrämpfe und Kreislaufstörungen kommen.
  • Die Blutung kann stärker sein als eine normale Regelblutung und bis zu 12 Tage nach Eintreten als schwache Blutung anhalten.

 

Kosten

Jede Frau kann sich in den Beratungsstellen über Finanzierungsfragen zum Schwangerschaftsabbruch kostenlos informieren. Wir empfehlen, sich vor einem Schwangerschaftsabbruch über die entstehenden Kosten zu erkundigen.

Die Krankenkasse zahlt für die ärztliche Beratung und für die Untersuchung vor einem Schwangerschaftsabbruch und, falls nötig, für die Behandlung von Komplikationen oder Untersuchungen nach einem Schwangerschaftsabbruch. Diese Form der Finanzierung gilt auch für Leistungen aus der Beihilfe für Beamtinnen und deren Angehörige.

 

Kosten des Abbruchs ohne Indikation

Die Kosten für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch ohne Indikation müssen selbst getragen werden. Verfügen Sie persönlich nur über ein geringes oder kein Einkommen, können Sie eine Kostenübernahme bei ihrer gesetzlichen Krankenkassen stellen. Dies gilt auch für privat Versicherte.

Rechnen Sie selber!  

Aufrechnung der Einkünfte für die Beantragung der Kostenübernahme für einen Schwangerschaftsabbruch

--- WEST ---

Grundbetrag (netto) 1036,- Euro
Anrechnungsfähig:
Kaltmiete über 304,-- Euro bis max. 608,-- Euro .. Euro
Kinderfreibetrag pro Kind 245,-- Euro .. Euro
   
anzuerkennendes Nettoeinkommen .. Euro

--- OST ---

Grundbetrag (netto) 1036,- Euro
Anrechnungsfähig:
Kaltmiete über 277,-- Euro bis max. 554,-- Euro .. Euro
Kinderfreibetrag pro Kind 245,-- Euro .. Euro
   
anzuerkennendes Nettoeinkommen .. Euro

Stand: 2/13 (wird in jedem Jahr zum 01.07. geändert)

 

Kosten des Abbruchs bei Frauen, die über der Einkommensgrenze liegen

Für die Frauen, die über der Einkommensgrenze liegen, darf der Arzt laut Gesetz (SFHänd G, Artikel 3, §5a) den 1,8 fachen Gebührensatz berechnen.

 

Kosten eines Abbruchs mit Indikation

Die Kosten eines Abbruchs mit ärztlich festgestellter medizinischer Indikation werden von der gesetzlichen Krankenversicherung (oder Beihilfe) und den Privatkrankenkassen übernommen. Bei einer kriminologischen Indikation zahlen die gesetzlichen Kassen ebenso die Kosten. Mit den Privatkrankenkassen muss dieses jeweils geklärt werden.