Finanzielle Hilfen für Familien

Illustration: Geld-Regen wird von Frau in ihrem Kleid aufgefangen

Das Leben ist teuer und mit Kindern gilt das erst recht. Einige hundert Euro geben Eltern im Durschnitt für jedes Kind aus – und zwar monatlich! Hier gibt es einen ersten Überblick über finanzielle Hilfen für Familien und in der Schwangerschaft, von Bildung und Teilhabe bis Unterhaltsvorschuss. Für Selbstständige und privat Krankenversicherte gelten teilweise besondere Bedingungen. Informieren Sie sich frühzeitig, wenn das auf Sie zutrifft.

Bundes­stif­tung Mut­ter und Kind – finanzielle Hilfe in der Schwangerschaft

Schwangere mit wenig Geld können bei der Bundesstiftung Mutter und Kind verschiedene Zuschüsse beantragen. Dazu gehört zum Beispiel Geld für Babykleidung, einen Kinderwagen oder für die fehlende Waschmaschine. Falls Sie Bürgergeld (früher Arbeitslosengeld II bzw. Hartz IV) oder Sozialhilfe erhalten, werden diese Zuschüsse nicht verrechnet, Sie können das Geld behalten. Der Antrag kann bei jeder Schwangerschaft erneut gestellt werden. Wichtig: Anträge bei dieser Stiftung sind nur während der Schwangerschaft möglich, nicht mehr nach der Geburt. Der Antrag muss bei einer staatlich anerkannten Schwangerschaftsberatungsstelle gestellt werden. Dort informieren wir Sie auch zu weiteren finanziellen Hilfen in der Schwangerschaft. Beratungsstelle finden


Mutter­schafts­geld & El­tern­geld

In den Wochen vor und nach der Geburt brauchen Sie als Schwangere nicht zu arbeiten. Wenn Sie angestellt sind oder als Selbstständige Anspruch auf Krankengeld haben, erhalten Sie Mutterschaftsgeld. Der Antrag erfolgt meistens über die Krankenkasse. Das Mutterschaftsgeld wird für sechs Wochen vor dem errechneten Entbindungstag und für acht Wochen nach der Entbindung gezahlt. Bei Frühgeburten oder Mehrlingsgeburten und bei Babys mit schwerer Behinderung gilt: Gleich nach der Geburt einen Antrag auf Verlängerung stellen, dann gibt es zwölf Wochen lang Mutterschaftsgeld.

Nach dem Ende der Mutterschutzzeit bleibt meistens ein Elternteil eine Weile zuhause, um das Baby zu betreuen. Oder beide Eltern reduzieren ihre Arbeitszeit. Den Einkommensverlust gleicht das Elterngeld teilweise aus. In unseren Beratungsstellen informieren wir Sie zum Elterngeld, zur möglichen Aufteilung zwischen beiden Eltern und wir unterstützen Sie beim Ausfüllen der Anträge. Um die Höhe des Elterngeldes abzuschätzen, können Sie den Elterngeldrechner auf dem Familienportal der Bundesregierung nutzen.


Kinder­geld – Geld für alle Familien

Für Kinder gibt es vom Staat Kindergeld, mindestens bis zum 18. Geburtstag. Kinder, die zur Schule gehen oder eine Ausbildung machen, erhalten Kindergeld bis zum 25. Geburtstag. Das Kindergeld muss ein Elternteil nach der Geburt beantragen. Eltern mit einem geringen Einkommen haben eventuell zusätzlich Anspruch auf Kinderzuschlag. Kindergeld beantragen Sie bei der Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit. Dafür benötigen Sie die Steueridentifikationsnummer (Steuer-ID) des Kindes und die Steueridentifikationsnummer des Elternteils, der das Kindergeld beantragt. Mit einem Ausweis mit Online-Funktion oder einem Elsterzertifikat können Sie das Kindergeld online beantragen.

Eltern mit hohem Einkommen erhalten statt Kindergeld einen Steuerfreibetrag. Auch sie sollten jedoch Kindergeld beantragen, das Finanzamt verrechnet beide Ansprüche bei der Steuererklärung automatisch.

„Wohn­geld, Eltern­geld, Kin­der­zu­schlag – alles musst du bei ver­schie­de­nen Stel­len bean­trag­en. Das hat mich echt über­for­dert. Die Bera­tung hat mir sehr ge­hol­fen, mich zurecht­zu­fin­den.“

Unterhalt & Un­ter­halts­vor­schuss

Wenn Eltern nicht zusammenwohnen, muss in der Regel ein Elternteil Unterhalt zahlen. Alleinerziehende erhalten Unterhalt vom anderen Elternteil. Auch wenn sich beide Eltern im Wechsel um das Kind kümmern, kann ein Anspruch auf Unterhalt bestehen; nämlich immer dann, wenn beide Eltern unterschiedlich viel verdienen.
Alleinerziehende, die vom anderen Elternteil keinen Unterhalt erhalten, können eventuell Unterhaltsvorschuss bekommen. Dieser wird beim Jugendamt beantragt, bei der Unterhaltsvorschussstelle. Das Jugendamt fordert die gezahlten Beträge später vom anderen Elternteil zurück.


Wohngeld & Kinderzuschlag

Wer nur wenig verdient, hat häufig Anspruch auf Wohngeld. Das ist ein staatlicher Zuschuss zur Miete. Auch die Kosten einer Eigentumswohnung können unterstützt werden. Eventuell entsteht der Anspruch auf Wohngeld durch die Geburt eines Kindes oder erhöht sich, da dann mehr Menschen vom gleichen Geld leben müssen. Mit dem Wohngeldrechner können Sie abschätzen, ob Sie Wohngeld bekommen würden. Eltern, die Wohngeld bekommen, haben oft auch Anspruch auf Kinderzuschlag. Das können Sie über den KiZ-Lotsen online herausfinden. Wir unterstützen Sie gern dabei, Ihren Anspruch zu überprüfen und Wohngeld und Kinderzuschlag zu beantragen.


Bürgergeld (früher ALG II) & Sozialhilfe

Wer über kein oder viel zu wenig eigenes Einkommen verfügt, hat in der Regel Anspruch auf Bürgergeld (früher ALG II oder umgangssprachlich Hartz IV) oder auf Sozialhilfe. Ohne Antrag gibt es aber in der Regel nichts. Bei der Schwangerschaftsberatung erfahren Sie, welche Gelder Ihnen zustehen und wie Sie sie bekommen.

Schwangere, die Bürgergeld erhalten, können beim Jobcenter ab der 13. Schwangerschaftswoche mehr Geld beantragen. Schwangere unter 25 gelten als eigene Bedarfsgemeinschaft, auch wenn sie noch bei ihren Eltern wohnen. Außerdem gibt es auch Zuschüsse zur Erstausstattung (Babykleidung, Hochstuhl, Jugendbett). Nach der Geburt steigt der Anspruch der „Bedarfsgemeinschaft“, weil auch Kinder einen eigenen Anspruch auf Bürgergeld haben.

NICHT VERGESSEN: Mehrbedarfe. In diesen Fällen gibt es für Bürgergeldbezieher*innen mehr Geld, es muss aber extra beantragt werden:

  • Wenn warmes Wasser in der Wohnung über einen Boiler oder Durchlauferhitzer erzeugt wird.
  • Für Schwangere ab der 13. SSW
  • Für Alleinerziehende
  • Für getrennt lebende Eltern mit Wechselmodell (hier hat jedes Elternteil Anspruch auf den halben Mehrbedarf für Alleinerziehende)
  • Für Menschen mit Behinderungen (gilt auch für Kinder)
  • Für Menschen, die aus medizinischen Gründen eine besondere Ernährung benötigen (ärztliches Attest erforderlich)
  • Zur Wahrnehmung des Umgangsrechts (wenn z.B. das Kind in einer anderen Stadt lebt, Einzelfallentscheidung, kein Rechtsanspruch)
  • Für Menschen mit Schwerbehinderung, wenn sie Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben oder zur Förderung der Schul- und Hochschulbildung beziehen

Detaillierte Informationen finden Sie in diesem Ratgeber des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zum Bürgergeld.


Bildung und Teil­habe – finanzielle Hilfe für Kinder

Finanzielle Hilfen nach der Schwangerschaft gibt es von verschiedenen Stellen. Wenn Sie Sozialleistungen beziehen – also zum Beispiel Wohngeld, Kinderzuschlag, Bürgergeld oder Gelder nach dem Asylbewerber-Leistungsgesetz, dann haben Ihre Kinder Anspruch auf „Leistungen für Bildung und Teilhabe“. Damit können Schulmaterialien, Klassenfahrten, Vereinsbeiträge und Nachhilfestunden finanziert werden. Auch das Mittagessen in der Kita, im Hort oder in der Schule gehört dazu. Diese Leistungen müssen Sie separat beantragen.


Kindergrundsicherung

Ab 2025 sollen die meisten sozialen Leistungen für Kinder in der neuen Kindergrundsicherung gebündelt werden. Diese soll aus einem Garantiebetrag und einem Zusatzbeitrag bestehen. Der Garantiebetrag entspricht dem heutigen Kindergeld. Dieses Geld erhalten alle Familien mit Kindern. Der Zusatzbetrag wird vom Einkommen der Eltern abhängig sein und den Kinderzuschlag ablösen. Auch Leistungen für Kinder aus dem Bürgergeld sollen in den Zusatzbetrag integriert werden. Das Wohngeld bleibt für die ganze Familie bestehen, das Bürgergeld wird weiterhin für die Eltern gezahlt. Unterhalt und Unterhaltsvorschuss bleiben erhalten.

Die Stelle, die die Kindergrundsicherung bearbeitet, soll in Zukunft aktiv auf Familien zugehen, die einen Anspruch auf staatliche Unterstützung für ihre Kinder haben. Die Antragstellung soll einfacher werden. Im Augenblick sind diese Pläne allerdings noch nicht umgesetzt.


Weitere finanzielle Hil­fen in der Schwangerschaft und für Familien

In vielen Bundesländern oder Gemeinden gibt es noch andere finanzielle Hilfen für Schwangere und für Familien. Das können Zuschüsse zur Kita-Gebühr sein, kostenlose Freizeitangebote oder Stiftungen, die Familien mit wenig Geld unterstützen. Dabei den Überblick zu behalten, ist nicht so einfach, zumal sich viele Regelungen immer wieder ändern.

Die Schwangerschaftsberatungsstellen vor Ort kennen sich in der Regel gut mit finanziellen Zuschüssen aus. Hier können Sie sich bis zum dritten Geburtstag Ihres Kindes beraten lassen. Auch das Nachdenken über ein weiteres Kind ist ein guter Grund, die Finanzen noch mal durchchecken zu lassen. Diese Beratung ist für Sie kostenlos. Kommen Sie gern mehrmals vorbei, um die aktuelle Finanzsituation mit uns zu besprechen.

Stand der Informationen: 01.04.2024

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Zu finanziellen Hilfen in der Schwangerschaft beraten wir Sie gern persönlich. Anonym und kostenlos. Wertschätzend und empowernd.